Wer einen Beruf im Bauhandwerk erlernt, muss vor allem eines können: selbst anpacken. Im Bildungszentrum Bau Osthessen (BBO) in Schlüchtern bekommen Auszubildende dafür das nötige Rüstzeug. Der Main-Kinzig-Kreis unterstützt die überbetriebliche Ausbildungsstätte auch in diesem Jahr mit 6.000 Euro. Den Förderbescheid hat der Erste Kreisbeigeordnete Jannik Marquart kürzlich an die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Gelnhausen-Schlüchtern, Anett Kuykendall, übergeben.
„Gut ausgebildete Fachkräfte werden im Bauhandwerk dringend gebraucht. Dafür müssen junge Menschen die Möglichkeit haben, ihren Beruf unter guten Bedingungen zu erlernen und sich praktisch auszuprobieren“, sagte Marquart. „Das Bildungszentrum leistet hier einen wichtigen Beitrag. Mit unserer Förderung unterstützt der Main-Kinzig-Kreis die Ausbildung vor Ort und damit auch die Handwerksbetriebe in unserer Region.“
Das Bildungszentrum Bau Osthessen ist eine überbetriebliche Ausbildungsstätte der Bauhandwerks-Innung Gelnhausen-Schlüchtern. Die Förderung des Main-Kinzig-Kreises hilft dabei, die laufenden Kosten für die angemieteten Werkstatträume und das Ausbildungspersonal zu decken. „Wir sind froh, dass uns der Main-Kinzig-Kreis auch in diesem Jahr unterstützt. Das ist für uns ein Zeichen der Wertschätzung unserer Arbeit“, sagte Anett Kuykendall. „Die Förderung hilft uns, jungen Menschen eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Dafür bedanken wir uns herzlich.“
In der Lehrbaustelle werden Auszubildende aus unterschiedlichen Bereichen des Bauhandwerks unterrichtet. Dazu gehören Berufe im Hochbau, etwa Maurer, und im Tiefbau, beispielsweise Kanalbauer und Straßenbauer. Auch angehende Stuckateure, Estrichleger und Zimmerer lernen hier. Darüber hinaus bietet das Bildungszentrum jungen Menschen die Möglichkeit, verschiedene Handwerksberufe kennenzulernen. Bei der Berufsorientierung arbeitet die Einrichtung unter anderem mit der Kinzigschule in Schlüchtern zusammen.
Im Mittelpunkt der Ausbildung steht die praktische Arbeit. Die Auszubildenden lernen den Umgang mit Werkzeugen und Materialien und setzen das Gelernte direkt auf der Lehrbaustelle um. Dabei erfahren sie auch, weshalb sie das theoretische Wissen aus der Berufsschule später auf der Baustelle brauchen.
Ausbildungsleiter Stefan Maul begleitet junge Menschen seit 20 Jahren auf ihrem Weg ins Bauhandwerk. In dieser Zeit hat er Veränderungen beobachtet, die weit über die fachliche Ausbildung hinausgehen. Der Umgang mit den Auszubildenden sei heute wertschätzender als früher, als auf Baustellen und in der Ausbildung häufig noch ein rauerer Ton geherrscht habe. Auch die Unterschiede zwischen den Auszubildenden seien größer geworden. Während früher viele auf einem ähnlichen Leistungsniveau gewesen seien, gebe es heute sowohl besonders leistungsstarke junge Menschen als auch solche, die deutlich mehr Unterstützung benötigten. Diese Entwicklung beobachtet Stefan Maul über die verschiedenen Gewerke hinweg.
„Wir müssen schauen, wo jede und jeder Einzelne steht und was er oder sie braucht. Manche sind schon sehr weit, andere müssen wir stärker begleiten“, erklärte Stefan Maul. „Wichtig ist, dass die jungen Leute verstehen, was sie tun und warum sie es tun. Wenn sie bei der praktischen Arbeit merken, wofür sie die Theorie brauchen, lernen sie auch anders.“
Dass die Ausbildung in Schlüchtern junge Handwerkerinnen und Handwerker weit bringen kann, zeigt der Erfolg eines ehemaligen Auszubildenden: Im vergangenen Jahr erreichte Julius Birkler bei dem Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks auf Bundesebene der Maurer den zweiten Platz. Für Anett Kuykendall und Stefan Maul ist das ein besonderer Grund zur Freude. Der Erfolg zeige, welches Potenzial in den jungen Menschen stecke und was sie mit einer fundierten Ausbildung erreichen könnten.

Erster Kreisbeigeordneter Jannik Marquart (links) übergibt den Förderbescheid an Anett Kuykendall, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Gelnhausen-Schlüchtern, und Stefan Maul, Ausbildungsleiter des Bildungszentrum Bau Osthessen.
Quelle: Elke Kaltenschnee, Main-Kinzig-Kreis

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